SG Ersingen 1924 e. V.
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Wie alles begann
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Wie alles begann...

Ein Bericht von unserem Ehrenmitglied Ernst Seiffert sen. zur Generalversammlung vom 30.01.88

Im Juni 1982
schreibe ich die wichtigsten Daten des Sportvereins Ersingen seit 1924 bis zum Tag, wo Fritz Bauer Vorstand wurde. Von da an, so rechne ich, daß Protokolle vorhanden sind.

Der Verein wurde im Frühjahr 1924 gegründet unter Führung von Johannes Dürr, Vorstand, Eugen Schrade, Schriftführer und Fritz Seiffert, Kassier. In diesem Jahr hatten wir keinen Sportplatz. Auf Drängen und Bitten erhielten wir dann im Herbst von der Gemeinde ein Stück alte Kiesgrube. Nun wurde fleißig gearbeitet, um einen Sportplatz daraus herzurichten. Die ganze Arbeit wurde von Hand mit Pickel und Schaufel, Schubkarren und auch mit Pferdegespann, wo hauptsächlich Bayer Mattheis und Schrade in Betracht kamen, verrichtet. Als dieses Stück Arbeit geleistet war, glaubte man es geschafft zu haben. Der Platz war zwar nicht groß, aber man konnte anfangen, denn bis dahin wurde auf Wiesen gespielt.

Leider kam es jedoch ganz anders: Schon im nächsten Jahr gingen einige von der Mannschaft weg, weil sie auswärts Arbeit annahmen, so Torwart Eugen Schrade, der nach Stuttgart ging, Konrad Dürr nach Ravensburg, Seiffert Fritz nach Esslingen und Schrade Fritz nach Donaueschingen. So waren nun die besten Spieler weg. Wir hatten nun eine Zeit lang 3 Spieler aus Stetten. Aber auch die verließen uns wieder. Von dieser Zeit an brachten wir keine Mannschaft mehr zusammen. Im Frühjahr 1926 fand zwar noch ein kleines Fest statt, mit Fünfkampf und zwar auf der Wiese an der Donau von David Gruber (Schulzenbauer). Auf der Straße zur Donaubrücke wurde der 100m- Lauf und die Staffelläufe ausgeführt. Hochsprung, Weitsprung und Kugelstoßen auf der Wiese. Dann war in sportlicher Hinsicht nichts mehr. Zu dieser Zeit waren es 31 Mitglieder, jedoch gingen immer mehr in die Fremde. An Weihnachten 1926 wurde jedoch Theater gespielt und zwar "Die Räuber auf Maria Kulm". Und dieses Theaterspielen jährlich an Weihnachten behielten wir bei.

So kam das Jahr 1928. Das war das Jahr der Wende. Fußball konnte nicht mehr gespielt werden aus Mangel an Spielern. Wir kamen mit Rißtissen ins Gespräch und gründeten eine Leichtathletik- Mannschaft. Wir kamen sehr rasch in Schwung. Nun aber verließ uns unser Vorstand Hans Dürr und auch Hans Kotz ging für immer. Als neuer Vorstand wurde in einer Versammlung im Rößle Ernst Seiffert gewählt. Fritz Bauer wurde Kassier und Jakob Strudel Schriftführer. Ich setzte mich mit dem Ulmer Turngau in Verbindung. Der Vorsitzende Salzmann kam zu uns und sprach zu uns. Es wurde beschlossen, daß wir die Satzungen des Ulmer Turngaus annahmen und einen Antrag beim Amtsgericht Ehingen zur Eintragung ins Vereinsregister stellten. Was dann auch geschah. Nun standen wir vor der Frage, wo können wir üben? Die alte Schulscheuer stand leer. Diese wollten wir zu einer Turnhalle umbauen. Als ich auf dem Rathaus deswegen vorstellig wurde, lachte man mich geradezu aus. Aber dann kam Hauptlehrer Konzelmann zu mir und sagte, er habe von dem Plan gehört und wäre sehr dafür. Wir gingen zusammen zur nächsten Gemeinderatssitzung und erhielten nun doch die Erlaubnis zum Umbau, mit der Auflage, daß auch die Schule jederzeit die Turnhalle benützen dürfe. Nun konnten wir bauen. Die Turnhalle wurde noch im gleichen Jahr fertiggestellt. Ein Reck und einen Barren stellte uns der Sportverein Erbach zur Verfügung. Ein feststehendes Reck kauften wir selber. Das Reck von Erbach stand dann auf dem Sportplatz. Später kauften wir auch weitere Geräte von Erbach. Die Leichtathletik- Mannschaft wurde von Fritz Heber geführt. Wir waren 21 Männer und 3 Frauen.

Im Jahre 1931 haben wir 3 Tage beim Fünfkampf und Dreikampf beim Gauturnfest in Langenau teilgenommen und legten den Beweis ab, daß in unserem Verein gut gearbeitet wurde. Wir brachten damals 18 Eichenlaub mit nach Hause, das war ein voller Erfolg.

Leider stellte nun auch Fritz Bauer sein Amt als Kassier zur Verfügung und der Nachfolger wurde Jakob Duckek.

Als nächstes übernahmen wir die Bewirtung auf dem Salenhau. Wir hatten vom Turngau den Auftrag mit dem Sportverein von Ehrenstein die Bewirtung zu übernahmen. So lief ein paar Jahre alles sehr gut, bis dann die Hitlerzeit kam. Nun wurde es mit dem Üben sehr schwierig, denn wir mußten unser Gebäude, das wir von unserem eigenen Geld hergerichtet hatten, der HJ, Jungmädel, NS-Frauen zur Verfügung stellen. Wir konnten die Turnhalle lediglich noch 1 mal in der Woche benützen.

Als der Krieg kam und die meisten einrückten, wurde Konrad Maier Kassier. Ihm übergab ich, als auch ich fortging, die ganzen Sachen. Matthäus Seiffert hatte vom Verein noch ein Luftgewehr, einen Karabiner und die Fahne. Bei meiner Rückkehr nach 4 1/2 Jahren Soldat und Gefangenschaft fand ich ein Bild der Verwüstung. Alles was in der Turnhalle aus Holz war, war herausgerissen und verbrannt worden. Man sagte mir, der Karabiner und die Fahne seien vergraben worden, sind aber bis heute nicht mehr zum Vorschein gekommen. Die ganzen Papiere wurden aus Angst vor der Besatzungsmacht verbrannt. Das ganze Vereinsleben schien wie ausgelöscht. Aber die Liebe und Treue der Zurückgekehrten zum Verein und der Glaube an die gute Sache blieb bestehen und so sollte auch ein neuer Anfang gemacht werden.

Als nach einiger Zeit die Besatzungsmacht etwas lockerer wurde, durften die Vereine wieder anfangen. Die aus Krieg und Gefangenschaft Zurückgekehrten, und auch andere, kamen mit der Bitte zu mir, doch auch wieder anzufangen.

Weil ich kurz vor, und während des Krieges als Vorstand des Vereins auf Drängen Parteimitglied wurde, mußte ich jetzt die Vorstandschaft ablehnen, da in der Besatzungszeit Parteimitglieder kein Amt mehr ausführen durften. Aus diesem Grund schlug ich damals Fritz Bauer als Vorstand vor. Er schien mir der geeignetste Mann dafür. Er nahm den Vorschlag auch an, und so konnte der Verein unter seiner Leitung neu beginnen.

Ernst Seiffert

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